Kunstausstellung: „On the Art Of Home“ von Min Bark

In der Ausstellung „On the Art of Home“ kreisen Min Barks Arbeiten um ein zentrales Motiv: den biografischen Bruch und die Erfahrung des Verlusts. Bark bezeichnet dies als den „Verlust der frühen Kindheit“ – ein persönliches Trauma, das sie in ihren Skulpturen visuell und materiell verhandelt. Zugleich öffnet sie mit diesen Arbeiten einen Raum für einen Diskurs von politischer Tragweite: Über 200.000 koreanische Kinder wurden von ihren leiblichen Familien getrennt und aus ihrer Heimat entwurzelt. Bark fasst die Erfahrung in klare Worte: „Wer seine leiblichen Eltern verliert und nicht einmal weiß, wer sie sind – das ist eine Verletzung, die bleibt für immer.“

In der Arbeit „Home“ verschmelzen skulpturale Form und malerisches Material: Die Skulptur, gefertigt aus Öl auf Leinwand, erinnert in ihrer Erscheinung an eine Mischung aus Rock und Zelt. Bei näherer Betrachtung werden Handnähte sichtbar – ein weiteres künstlerisches Mittel, das Bark bewusst einsetzt. „Der Wurf“ zeigt eine aus Stoff genähte Frauengestalt, weiß, die im Schneidersitz, umringt und eingeschnürt ist von Kindern. Ob es ihre leiblichen Kinder sind, wissen wir nicht. Es ist eine rein bildhauerische Arbeit. Ihr liegt keine Konzept zugrunde. Sie sitzt da wie ein Buddha. Die Kinder sind fast gewaltsam an sie gebunden, als wollte man verhindern, dass die Kinder von ihr abfallen, wenn sie nicht gehalten werden.

In einer Kunstwelt, die zunehmend globale Perspektiven einfordert, leistet Min Bark einen essenziellen Beitrag: Sie macht die biografische Leerstelle zur künstlerischen Ressource, die Körperlichkeit zur politischen Sprache und Erinnerung zur räumlichen Erfahrung. Ihre Kunst fordert keine einfachen Antworten, sondern schafft Momente tiefer Reflexion über das, was uns ausmacht – und was uns fehlt. 

Erst im März 2025 bestätigte eine südkoreanische Wahrheitskommission, dass in den 1970er- und 1980er-Jahren Familien betrogen und belogen wurden. Fälle von Kinderhandel und Urkundenfälschung wurden bekannt. Als Gegenleistung für internationale Unterstützung wurden rund 200.000 koreanische Kinder zur Adoption nach Europa und Amerika freigegeben. Diese Zahl macht das immense Ausmaß des Kinderhandels anschaulich, der über Jahrzehnte ungehindert bis in die späten 90er Jahre nicht im Verborgenen, sondern vor den Augen der Welt stattfand, ohne erkannt bzw. offiziell verurteilt zu werden.

Zur Künstlerin: Min Bark (*1979, Andong) ist eine deutsche Künstlerin mit südkoreanischen Wurzeln. In den 1980er-Jahren gehörte sie zu den Kindern, die von der südkoreanischen Regierung auf der Grundlage gefälschter Dokumente zur Adoption ins Ausland gegeben wurden. In diesem Zuge wurden ihr Name „Bark“ sowie ein geschätztes Geburtsjahr willkürlich festgelegt. Sie studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart in der Klasse von Christian Jankowski. Unter dessen Einfluss entwickelte sich eine konzeptuelle Arbeitsweise, die sich bis heute wie ein roter Faden durch ihr Werk zieht. Min Barks Arbeitsweise als Bildhauerin ist geprägt von präziser Materialwahl, handwerklicher Intensität und einer sensiblen Verbindung von Konzept und Emotion. Ihre Skulpturen, Installationen und textilen Objekte verbinden autobiografische Tiefe mit gesellschaftlicher Relevanz.

Kulturvermittlungsangebote: Di 13.01. | Mi 21.01. | jeweils 10 – 11:30 Uhr | Anmeldung erforderlich | auf Spendenbasis

Foto@Min Bark (Der Wurf)

Veranstaltungstage

Montag, 12.01. - Freitag, 23.01. – 12:00 - 17:30 Uhr

Veranstaltungsort

LABYRINTH Kulturzentrum
Urbanstr. 64
70182 Stuttgart